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[DE] Soichiro Honda blickte in die Zukunft

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Source: Das Motorrad, 12 August 1967, issue 17, Page 3

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Soichiro Honda blickte in die Zukunft ' Ein Mitarbeiter der britischen Motorradzeitschrift MOTOR CYCLE NEWS hat sich kürzlich in Tokio mit Soichiro Honda über die Aussichten des Motorrades in den nächsten zehn Jahren unterhalten, dem Gründer, Präsidenten und technischen Initiator der Honda-Werke also, die derzeit rund andertbal_b Millionen motorisierter Zweiräder pro Jahr produzieren und deren Rennmaschinen es im Verlauf der letzten paar Jahre auf nicht weniger als 15 Mad-enweltmeisterschaften brachten. Daß Mr. Honda Optimist ist, ist kaum erstaunlich - anders konnte er ja wohl nicht zum größten Motorrad-Produzenten der Welt werden. Und daß er etwas von Motorrädern und vom Motorradbauen versteht, dürfte ihm auch keiner bestreiten, der weiß, daß eben Soichiro Honda selbst der technische Kopf des Unternehmens ist, von dem die Grundkonzeptionen aller der Motorradmodelle stammen, die - als Serien- wie als Rennmaschinen - zu so weltweiten Erfolgen kamen. So ist also auch sein Zukunftsbild vom Optimismus eines Mannes getragen, der als Kenner und Könner tief in seiner Lebensaufgabe verwurzelt ist. Hin den vor uns liegenden zehn Jahren, so meinte er, wird die große Zeit der ,IndividualMasch. ine' kommen. Die ausgesproch.enen Motorrad-Enthusiasten werden zweifellos eine Maschine kaufen wollen, die sich. von der des anderen irgendwie unters<neidec." Honda glaubt, daß sich die Serienfertigung für diese Interessenten sozusagen auf Grundmodelle beschränken wird, die dann ganz nach Wunsch. des Käufers komplettiert und ausgestattet werden. Dabei denkt er aber natürlidl llicht an technisch wertlosen Ausputz, sondern etwa an die Möglichkeit, den Körpermaßen des Fahrers dessen Position auf der Masch.ine und die Lage aller ihrer Bedienungshebel genauestens anpassen zu können. Nicht zwei Motorräder von den für diese Gruppe von Interessenten gebauten Modellen werden sich dann völlig gleich sein - so glaubt er (der Tech.niker!). Allerdings wird man nach seiner Überzeugung die Motorradmärkte der kommenden Jahre in zwei Gruppen trennen müssen: die eine nämlich - repräsentiert vor allem durch die Käuferschaft in den Vereinigten Staaten - die mit dem Motorrad nichts weiter als Spaß in ihrer Freizeit haben wollen - und die andere - das sind die Käufer in den Entwicklungsländern, für die noch für viele Jahre das Motorrad wirtschaftliches Transportgerät sein wird. "Derzeit, so Hondas Ansicht, untersmeiden sich. die Motorräder für diese beiden großen Abnehmerkreise noch kaum - aber in wenigen Jahren schon wird ein einziger Blick genügen, um den Unterschied festzustellen." "Trotzdem, so fuhr der Präsident der Honda-Motors fort, wird das Motorrad wohl grundsätzlich. seine Form und Linienführung behalten. Im großen und ganzen wird ein Motorrad. des Jahres 1975 noch. genauso aussehen wie heute. Verkleidungen (so Hondas persönliche Ansicht) werden kaum mehr Popularität gewinnen als beute, abgesehen von Ländern mit ungünstigen klirnatisch.en Bedingungen. Vielleicht wird das Gespann ein Comeback erleben - aber wohl nur, wenn es gelingt, i'bm eine ganz neue Linienführung zu geben." Die Anzahl der Hubraumgrößen wird nach Hondas Meinung keineswegs geringer, sondern eher noch größer werden - und zwar veranlaßt durch. die Wünsche der "Individual-Käufer", die auch hinsich.tlich des Hubraums Differenzierungsmöglichkeiten haben möchten. Nich.t verwunderlich. ist es, aus Hondas Mund die Voraussage zu hören, für die Motorräder der kommenden Jahre werde der Viertaktmotor mehr Bedeutung haben als der Zweitakter, und zwar im Hinblick auf die leichtere Abgasemgiftung. Serienmodelle mit mehr als zwei Zylindern werde es wegen der hohen Fertigungskosten nicht geben. Aber die Hubraumleistung der Motoren werde im Zuge neuer Materialerkenntnisse und weil sicher auch die Zulieferindustrie, vor allem die clektrotechnisch.e, mit Neuentwicklungen aufwarten werde, erbeblich steigen - um etwa 50% im Laufe der nächsten zehn Jahre. Die Reifen werden besser werden, neue Materialien werden bessere Bodenhaftung und damit die Voraussetzung bringen, die heute schon vorbandenen Möglichkeiten der Bremsen wirklich auszunutzen. Selbstverständlich wird man, so Mr. Honda, die Anordnung der Bedienungshebel normen. So wird beispielsweise das Bremspedal überall rech.ts liegen - eine Selbstverständlichkeit unter dem Gesich.tspunkt, daß die meisten Motorradfahrer auch Wagenfahrer sein werden und beide Fahrzeuge mit der gleich.en Reaktion gebremst werden mussen. Im übrigen glaubt Honda, daß die Zahl der Motorradhersteller auf der Welt etwa gleich bleiben wird. Für die kleinen Produzenten sieht er dabei gerade im Hipblick auf das "Individual- Motorrad" durchaus Zukunftschancen. "Von den 3 Milliarden Mensch.en, die derzeit auf der Welt leben, kann sich heute höchstens jeder Ach.te auch. nur ein Fahrrad leisten. Hier liegt die ganz große Zukunft auch. für die Motorradindustrien - wir sind bisher nur die allerersten Schritte in diese Zukunft gegangen." So also sieht Soichiro Honda die Zukunft - für sein Werk und für die ganze Branche. Mancher wird erstaunt sein, daß dieser Mann soJch.e Perspektiven für das Motorrad malt, von dem man nur zu gern glauben möchte, für ihn sei das Motorrad bereits abgeschrieben und für ihn und sein vielhundertköpfiges Entwicklungsteam gäbe es nur Automobilpläne. Freilich. stimmt das alles genau zu dem, was man über eine wieder verstärkte Aktivität von Honda im Motorradrennsport hört - und es paßt gcnau zu dem Bild, das die~er Selfmademan bietet. Mehr als 100 Patente, die in Hondas Motorrädern verarbeitet sind, schützen Erfindungen und Konstruktionen von ibm selbst. Und wenn man sagt, daß die meisten der Angestellten in seinem neunstöckigen Verwaltungsbau ihn nur von Bildern kennen - dann deshalb, weil sie ihn dort nicht zu sehev bekommen: sein Hauptquartier hat er in seinem Entwicklungswerk aufgeschlagen, wo man ihn entweder am Reißbrett oder, mit einem Stück Werkzeug in der Hand, in einer der Werkstätten findet. Wir sind weit davon entfernt, die Zukunftsansichten Mr. Hondas als Evangelium zu betrachten - in manchem kann er ebenso recht behalten wie sich irren. Unbestreitbar ist seine Argumentation, daß es noch ein riesiges AbsatZfeld für Motorr'.ider gibt und damit große wirtschaftliche und tech.nische Entwicklungsmöglid1keiten. Honda sieht sie - und wird sie nutzen. Leider ist das nicht überall so. Ein führender Mann in einem deutschen Unternehmen dessen Markenbegriff nich.t unwesentlich vorn Motorradpau geprägt wurde, sagte es kürzli;n ganz unverblümt: "Ich hasse Motorräder!" Muß man sich dann noch wundern? SR

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